Stimmungsbarometer Juni 2026: Jedes fünfte Kleinunternehmen fürchtet um seine Existenz

Die wichtigsten Erkenntnisse:

  • Stimmung bei Kleinunternehmen trübt sich ein
  • Im Rahmen des Nahost-Konflikts hat sich Zukunftserwartung deutlich verschlechtert
  • Trotz hohem Investitionsbedarf: Investitionen gehen zurück
  • Bürokratie, hohe Steuern und Abgaben sowie Energiepreise hemmen Investitionsbereitschaft
  • Ein Fünftel sieht Fortbestand des Unternehmens gefährdet, wenn sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht ändern

Kleinunternehmen sehen pessimistisch in die Zukunft

War bei der Vorbefragung im Oktober 2025 angesichts positiver Wachstumserwartungen noch eine optimistische Grundstimmung der Kleinunternehmen zu spüren, hat sich das Stimmungsbild im Frühjahr 2026 deutlich verschlechtert. Im Umfeld der Nahostkrise und mangelnden Reformfortschritten beurteilen die Unternehmen ihre Lage etwas schlechter als vor 12 Monaten, sind aber deutlich pessimistischer für die Zukunft. So sinkt der Indikator für den 12-Monatsvergleich beim Kleinunternehmerindex der VR Smart Finanz leicht um 3 Punkte auf -1. Der Indikator für den Zukunftsblick fällt jedoch deutlich um 19 Punkte auf einen Stand von 11.

Finanzielle Engpässe und Bürokratie belasten die Unternehmen

In diesem Zusammenhang schätzen die Unternehmen auch ihre aktuelle wirtschaftliche Lage sowie die Umsatz- und Gewinnentwicklung tendenziell schlechter ein als im Herbst 2025. Die Liquiditätssituation bleibt ebenfalls angespannt: Nach wie vor berichten 53 Prozent der Befragten von Liquiditätsengpässen im vergangenen Jahr.

Das anspruchsvolle Marktumfeld, mit sinkender Auftragslage und steigenden Insolvenzen, belastet auch den Geschäftsalltag der kleinen Betriebe. Mehr als ein Drittel der Befragten (36 Prozent) klagt über Schwierigkeiten, neue Kunden zu akquirieren und ein gutes Viertel (26 Prozent) leidet unter der schlechten Zahlungsmoral seiner Kunden. Aber auch die administrativen Anforderungen führen zu Belastungen: 32 Prozent nennen aufwändige Dokumentationspflichten als große Herausforderung.

Investitionstätigkeit ist wieder gesunken

Als Folge dieser Entwicklung ist auch die Investitionstätigkeit wieder gesunken, obwohl der Investitionsbedarf mit 61 Prozent unverändert hoch bleibt. War im Oktober 2025 noch eine leichte Belebung der Investitionstätigkeit zu verzeichnen, haben jetzt nur noch 47 Prozent der Befragten wie geplant investiert (-2 Prozentpunkte), während 42 Prozent geplante Vorhaben verschoben oder absagten (+ 2 Prozentpunkte). Als Grund dafür nennen die Betriebe neben fehlendem Eigenkapital (34 Prozent) vor allem hohe Kosten (29 Prozent) und die unsichere wirtschaftliche Entwicklung (29 Prozent).

Zukunftsinvestitionen bleiben relevant

Nichtsdestotrotz planen die Unternehmen ambitioniert für die Zukunft und nehmen neben notwendigen Ersatzinvestitionen vor allem Ausgaben zur Geschäftserweiterung und Zukunftsfähigkeit in den Blick. So planen knapp 80 Prozent der Befragten in den nächsten Jahren nicht nur Investitionen in Geschäftsausstattung, sondern auch in Digitalisierung und Automatisierung. Das Thema Nachhaltigkeit und Energieeffizienz verliert hingegen im Umfeld der konjunkturellen Herausforderungen erneut an Relevanz. Nur noch knapp 60 Prozent der Kleinunternehmen sehen entsprechende Investitionen in den nächsten Jahren (-8 Prozentpunkte) vor.

Ein Fünftel der Kleinunternehmen befürchtet Insolvenz

Obwohl steuerliche Impulse wie die degressive Abschreibung wirken – knapp 40 Prozent der Ausgaben für Geschäftsausstattung wurden daraufhin realisiert –, reicht dies nicht aus, um den Investitionsstau aufzulösen. Die Unternehmen fordern von der Politik vor allem eine Reduzierung von Steuern und Abgaben, entschlossenen Bürokratieabbau sowie geringere Energiekosten, um wieder mehr zu investieren. Mit dem Regierungshandeln sind die Befragten insgesamt sehr unzufrieden. Vor allem die Steuer- und Abgabenpolitik sowie den Abbau von Bürokratie bewerten rund 55 Prozent der Befragten als unzureichend. Für die Leistungen der Politik im Bereich Versorgungssicherheit und wettbewerbsfähige Energiekosten geben 53 Prozent schlechte Noten. Das ist ein Alarmsignal für den Wirtschaftsstandort Deutschland, denn knapp ein Fünftel der Befragten sieht nicht nur die Zukunftsfähigkeit, sondern auch den Fortbestand seines Unternehmens gefährdet, wenn sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht ändern.

Weckruf für den Wirtschaftsstandort Deutschland

Die Studie zeichnet ein klares Bild: Deutschlands Kleinunternehmen sind in einer schwierigen Lage. Einerseits ist ihr Bedarf an Investitionen für die Zukunftsfähigkeit ungebrochen hoch, andererseits verhindert eine Mischung aus operativen Lasten, hohen Kosten und politischer Unsicherheit genau diese notwendigen Ausgaben. Der Ball liegt nun eindeutig im Feld der Politik. Ohne einen entschlossenen Abbau von Bürokratie und spürbare steuerliche Entlastungen droht nicht nur ein dauerhafter Investitionsstau, sondern ein weiterer Substanzverlust gerade bei den Geschäfts- und Gewerbekunden, Selbstständigen und Freiberuflern, die das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bilden.

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Zur Studie

Das Stimmungsbarometer ist eine regelmäßige Studie, die die VR Smart Finanz seit 2019 gemeinsam mit CFin – Research Center For Financial Services der Steinbeis-Hochschule zur Situation und zu den Bedürfnissen von Kleinunternehmen erhebt. Die Befragung fand vom 01. bis 14. April 2026 unter 300 Geschäftskunden, Gewerbekunden, Soloselbständigen sowie Unternehmen aus dem kleineren Mittelstand mit einem Jahresumsatz bis zu sechs Millionen Euro statt.